Scorpio Youngtimer

Wer sagt, dass ein Mischling nicht eigenwillig aussehen kann?

Wer kennt das nicht – man latscht so achtlos eine Strasse entlang – und dann das!

Ein Heckfesnter mit einem Zettel drin, Handgeschrieben, unten eine 3stellige Zahl – wer kann dazu schon nein sagen?

Und man kann das Objekt der Begierde direkt sehen, man muss nicht kompliziert hinfahren oder so…

Aus diese Weise ist uns wieder mal einer zugelaufen – ein Granada III sozusagen: Der Ford Scorpio.

Zu Lebzeiten haben ihn die meisten verachtet – er war eines dieser Verbrauchsautos: Gefahren, geschunden, ersetzt. Gerne und häufig den Kofferraum überladen, dass sich die Achsen biegen. Aber eigentlich konnte man ihm vertrauen, dem Ford Scorpio. Und das kann man auch als Youngtimer noch. 400€ wollten sie haben für unseren, 400€ haben Sie bekommen – Satz montierter Winterreifen inklusive. 21 Jahre alt, also gerade mal erwachsen ist er – aber qualitativ wirkt er noch ziemlich solide, 162.000 auf der Uhr, Lack und Innenraum nicht verlebt – aber patiniert.

Und auf Schnee, da macht der Große Wagen Spass. Vier Säcke Graberde, so ziemlich der billigste Ballast, den OBI verkauft, sind strategisch über den hinteren Rädern drapiert – Automatik auf D und los – gerne auch mal quer, aber alles sehr kontrolliert im legitimen letzten Granada.

Die wohligen Velours-Sitze haben immer noch den Geschmack der 80er, man rutscht irgendwie komisch darauf herum. Aus heutiger Sicht wirkt der Scorpio dennoch nicht so häßlich. Er hat etwas Aufrechtes, wie er sein schräges Heck trutzig trägt. Jahre verpöhnt, feiert es heutzutage gerade Auferstehung mit Audi A5 und A7 – heute als Designschmankerl, damals als fauler Kompromiss zwischen nutzhaftem Kombi und spiessigem Limousinen-Heck. Aber eben ein fauler Kompromiss, keiner, für den man Ford gefeiert hätte.

W124 in gewollt und nicht gekont

Das macht unseren 4-Scheine-Youngtimer dann schon wirklich cool: Er ist einer der letzten, die sich dieses Heck trauten – mit Citroen CX und Rover3500 steht er da in der Schlange der Nonkonformisten, die man heute kaum noch findet [Ja, auch mit dem langweiligen Vectra…]. Und ich glaube, langsam drehen sich die Leute wieder nach ihm um, wenn man würdig und gediegen vor der Bäckerei auf den verschneiten Parplatz cruised.

Viel zu spät hatte Ford ein Einsehen mit den alten Granada-Jüngern und gab dem Volk einen Stufenheck-Scorpio. Der wirkt wie ein 124er in billiger China-Kopie, wenn man ihn heute anschaut.

Nein – cool ist der irgendwie doch nicht.

Hinter den chromigen Radläufen unseres Streuners verbirgt sich ein wenig Rost – das ahnt man mehr, als dass man es sehen würde – aber so ist das mit Streunen, die einem zulaufen: ein paar Flöhe und keinen Stammbaum, aber irgendwie muss man ihn einfach gern haben.

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