20 Jahre auf dem Buckel – für den regelaffinen Germanen die korrekte Schwelle zur Erlangung des Youngtimer-Status – für einige Versicherungen auch. Das neue Jahr 2012 kratzt bereits an unserer Tür – ist das ein Jahr, in dem viele lustige Autos zu Youngtimern werden? Wie sah die Strasse 1992 aus, wie die Showrooms der üblichen Verdächtigen?
Ganz ehrlich: Nicht so toll… 1992 war an Jahr, in dem ich sehr bewusst mal wieder die Entscheidung für einen Youngtimer getroffen habe – nicht mal aus Kostengründen. Die Gegenwartsautos waren einfach so zäh von klebriger Langeweile durchseucht, dass es einem irgendwie schwer fiel, sich substanziell für etwas neues zu begeistern.
Die drei großen teutonischen Brot- und Butter Marken waren in dieser Zeit der schlimmen Langeweile verfallen:
Gesamtmarktführer VW baute den 3er Golf – den fahren wir zwar nun sommerlich als mental-Youngtimer – ansonsten hat er im Strassenbild jedoch immer noch eine schier penetrante Präsenz – und zudem war er wohl der bis dahin weichgespülteste Golf, dem es am meisten an Charakter fehlte. Sogar von der Schlafaugen-Front mit den runden Scheinwerfern verabschiedeten sich die Wolfsburger. Buuh. Der Passat B3 war der hässlichste bislang – der Polo 86cwar stark facegeliftet und könnte einem heute im Kleinwagensegment durchaus vor die Flinte laufen.
Der letzte heckgetriebene BUS T3 war ein Jahr vorher vollständig durch den T4 abgelöst worden. Der ist schon allein deshalb nicht youngtimerfähig, weil er für Laien vom aktuellen Modell des Jahres 2012 nicht zu unterscheiden ist. Sein Innenraum der frühen 90er stinkt zudem förmlich vor der pseudogediegenen Langeweile, die VW in diesen Jahren zur Philosophie erhob. Steril klingt da schon fast noch wohlmeinend warmherzig.
Opel hatte gerade den unrühmlichen Kadett E durch den rundlich bauchigen Astra ersetzt und damit den Namenswechsel vollzogen, der in anderen Ländern längst Realität war. Aber war das ein spannendes Auto? Wahrlich nicht. Immerhin hat der Omega A / Senator B sich mittlerweile zum ganz respektablen Youngtimer entwickelt – der stand 1992 am Ende seiner Bauzeit – mit den 93er Werksferien wurde er vom wuchtigen Omega B abgelöst. Immerhin gab es den knorrigen Frontera, der heute schon irgendwie angenehm schrullig wirkt – und natürlich historisch ein Einzelfall geblieben ist – schon das macht ihn in gewisser Weise interessant. Der Corsa A lag im letzten Facelift vor und rostete nicht mehr so stark- nicht pauschal sexy aber ein Kleinwagen von Format im historischen Rückblick.
Ford hatte immerhin noch Sierra und Scorpio im Programm, die heute in der Youngtimer-Szene einen guten Ruf genießen – der Escort war in seinem Faceliftfaceliftfaceliftfacelift des immer noch schräg auf 1981 schielenden Modells eigentlich durch, wurde aber noch volle 7 Jahre weitergebaut, Fiesta in seiner zweiten Evolutionsstufe wurde auch noch ewig gebaut und ist heute im Strassenbild wohl eher noch ein klassisches Billigauto.
BMW hingegen war in der Zeit on Top: 5er BMW cool, 7er BMW cool, der 3er schon in modisch abgerundetem Design, das wohl noch ein paar Jahre reifen muss – werden wir den je wirklich lässig finden? Vielleicht fangen wir mal zart mit dem Cabrio an und tasten uns dann mal langsam ran.
Aber da ist man ja wieder bei Thema frühkindlicher Faszination: Die Premium-Marken, hier und da ein wenig mit Chrom begossen, beim Vorstand auf dem Parkplatz gestanden… Die haben als Youngtimer immer ihre Fans. Das gilt für die BMWs dieser Phase ebenso wie für die Benze. Es muss nicht immer der W124 sein – ein W140 aus prominentem Vorbesitz tut es auch, notfalls ist auch der 190er cool… und irgendwie spüren wir schon den W202 kommen…
Um die wird sich immer jemand kümmern – ebenso sicherlich wie um die Audis dieser Epoche. Da war nicht nur der V8 in den letzten Zügen vor dem A8 – auch der letzte 100er findet so langsam seine Fans – und sogar zu recht. Ebenso hat der späte Audi 80 eine Fangemeinde, die ihn nahtlos vom begehrten Gebrauchten bis in die Youngtimer-Szene begleitet hat. Erst 2 Jahre später kommt der Schlag in der Nomenklatur in Form des bis heute gültigen A4. Die letzten Modelle nach dem alten Muster 80 -100 -200 werden daher zunehmend interessanter und sind darüber hinaus tolle Begleiter im Alltag.
Toyota, als Vertreter der Brot- und Butter Fraktion dieser kommenden Youngtimer, baute noch den Carina II als Volumenmodell, weitgehend unentdeckt bis heute, obwohl er im Innenraum einer der letzten Vertreter der US-Anbiederung im Europa-Kleid ist. 1993 kommt der Carina E, der es mit Europa ernst meint und sachlicher und moderner ist. Damals gut, aber sein Vorgänger ist natürlich heute lohnenswerter. Ebenso der Camry dieser Jahre, ein bieder luxuriöser Traum, der im Ausland sogar als Lexus verkleidet zu haben war. Lexus wird ohnehin immer interessanter. 89/90 auf Kiel gelegt, sind die frühen Modelle gefangen zwischen Moderne und Anbiederung an den Kernmarkt USA. Der Luxus dieser Modelle ist zweifelsfrei eigen und in seinem Stil auf unserem Markt so kaum zu finden – da halten auch die größeren Nissan und Honda des Jahres 92 nicht mit.
Die Franzosen dieser Jahre sind allesamt etwas trist – da gibt es keine großen Helden mehr – XM und R25 mal ausgenommen. Die Briten wirtschaften sich zusehends in die Pleite – selbst der Jaguar XJ dieser Jahre schwächelt ein wenig und verkörpert zum Teil kaum noch die große Katze mit seinen Breitbandscheinwerfern. Obwohl die langsam auch in die Jahre kommen und die Zeit heilt ja manche Wunde…
Nur für die Brot- und Butter Fraktion scheint zu gelten: Die Jahrgänge, die jetzt kommen, haben viel der kruden Magie eines Taunus oder Ascona verloren – und das hat nicht nur mit frühkindlicher Faszination zu tun, sondern auch damit, dass die Marken sich mainstreamen mussten in dem Versuch, der neuen Marktsituation mit etablierten Japan-Marken das beste abzuringen. Vielleicht blüht uns das also in ferner Zukunft auch wieder, wenn Hyundai und Kia so weitermachen.
Bis dahin gilt: rettet die coolen Ausnahmen – auch im neuen Jahr.




Sehr schöner Artikel, schon fast philosophisch, alle drei Daumen hoch!
Auch, dass ihr mich verlinkt, ehrt mich sehr. Und doch hab ich etwas auszusetzen: Ihr schreibt vom Camry, der um 92 herum erhältlich war und benutzt dazu einen Artikel über meinen Camryman. Ab 1991 gabs jedoch schon die dritte Generation, die zwar einen immensen Fortschritt zu meinem V2 darstellte, der es aber ganz massiv an Charme fehlt. Wenn man die zweite und dann die dritte Generation Camry vergleicht, möchte man annehmen, da fehlt das Verbindungsstück namens Generation 2 1/2.
Tatsächlich – wir hatten eine Auto Zeitung vor uns, die den Kombi zeigte. Der wurde erst im Herbst ersetzt