Zu unrecht verspottet im Design-Bereich - der Favorit ist eigentlich ein sehr ausgewogenes Auto

Hätte er beim Ugly-Contest dieser Tage mitgemacht – ein ungewollter Platz auf dem Treppchen wäre ihm vermutlich sicher gewesen…

Hierzulande wurden ja Ost-Autos immer ein wenig belächelt. Nach dem Mauerfall waren sie vielen Ossis dann leider so peinlich, dass sie nie so recht erhalten wurden. Dem Skoda Favorit, dessen Kombi-Bruder unter dem Namen Forman vertrieben wurde, hat das eigentlich auch nicht so recht verdient, wie so viele andere aus diesen Ländern.

Durch die Designer-Brille geblickt, umwehte den Wagen immer ein unerklärlicher Hauch von Renault – sein Nachfolger wurde ebenfalls von unbedarften Zeitgenossen eher französischer Herkunft zugeschrieben.

Er gehört zu diesen Autos, die häufig aus Hinterhöfen vor sich hin vegetieren - nie will ihn einer so recht retten

Heute löst der Wagen bei jüngeren Leuten am ehesten noch ein breites, gut lesbares Fragezeichen auf den Gesichtszügen aus. Das liegt sicherlich auch an seiner verhältnismäßig kurzen Bauzeit. Unter VW Regie wurde der Favorit schnell durch immer mehr Polo-Frischzellen abgelöst, bevor VW schließlich die ersten echten VW-Entwicklungen auf den Markt brachte – aber das war 1997 – der Favorit erschien 10 Jahre früher.

Der Favorit hat aber dennoch schräge Hingucker Qualitäten – selbst in den neuen Bundesländern schauen die Leute ihm mit dieser leicht sentimentalen Melancholie hinterher, wie man sie früher teils beim Käfer kannte. Auffallend war nämlich auch hier: Der Favorit hatte ein paar wirklich realistische handfeste Qualitäten.

Skoda war im Osten ohnehin stets für die klügsten Ingenieursleistungen bekannt – zurecht. Auch Favorit und Forman sind durchaus durchdachte Autos, die zudem beide einen ebenso anständigen Innenraum wie auch Fahrkomfort liefern. Und auch qualitativ war der Favorit nicht der schlechteste. Selbst im Bereich Rost erblasst hier mancher Golf 3 Fahrer vor Neid.

Gut gemeint aber nicht recht gut gemacht: Das Design des Kombis Forman ist deutlich schräger als das seines Limousinenbruders.

Aber klar – das Wort Youngtimer will den Leuten bei einem Wagen wie dem Favorit immer nicht so recht über die Lippen gleiten. Keiner traut sich so recht, mit einem Skoda Favorit, auch wen der Opas Bestzustand repräsentiert, aufs nächste Youngtimertreffen zufahren, um dort zwischen einem E30 Cabrio und einem 124er Coupe 300CE zu parken. Ja, klar – aber wieso eigentlich? Der Wagen hat jede Menge Leute, die auch hier die Erinnerung an frühkindliche Faszination wieder auskramen können. Spottbillig und einfach zu warten ist er obendrein. Und zu allem Überfluss gleichzeitig selten. Schon sein Name, der auf geheimen Pfaden Marketingabteilungen umgangen hat, hat etwas schrilles – ähnlich wie der zynische Wartburg Tourist – so deutet auch der Favorit ja so etwas an, wie das Treffen einer Wahl aus einem großen Angebot….

Aus einem großen Angebot kann man auch heute bei Favorit und Forman nicht gerade auswählen. Die beiden sind wirklich schnell rar geworden – zumal selbst die Skoda-Händler sie verstoßen haben, nachdem die VW-Modelle auf dem Hof standen.

Eher überschlicht

Witzig an den beiden Modellen ist das Fahrverhalten – das fühlt sich an wie ganz ganz früher Frontantrieb. Berechenbar zwar, aber Untersteuerer erster Klasse. Da kann man auch mal mit eingeschlagenem Lenkrad heftig geradeaus fahren…

Auch sonst sind die beiden Skoda Brüder berechenbar. Einerseits sind sie derzeit lachhaft günstig in der Anschaffung – wir haben uns erst kürzlich zwei richtig gute mit frischem TÜV angesehen, für die kaum 1000€ aufgerufen wurden. Am besten findet man solche im Dunstkreis von Berlin, Dresden und Leipzig – hier und da auch im Ruhrgebiet, wo sie schon mal auf dem Hof irgendwo in der Ecke stehen.

Zu diesen finanziellen Vorbedingungen gesellen sich lachhafte Versicherungsprämien [Wer klaut auch einen Skoda Favorit Youngtimer...?] – den Favorit oder Forman kann man sich also getrost mal gönnen oder einfach einen mit geringem Aufwand retten als Alltagsklassiker. Eine nette Alternative ohne viel Schnickschnack – und wer  auch sonst Spaß an Kalauern hat, kann sich ein Renault-Emblem auf die Motorhaube basteln ;->

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2 Antworten »

  1. Mit den Skoda Favorit/Forman bin ich aufgewachsen. Mein Onkel ist seit 1992 Skodavertreter im Kanton Graubünden. 1994 kauften meine Eltern einen Forman. Ein erstaunlich grosser Gepäckraum paarte sich hier mit sensationell günstigen Anschaffungs- und Unterhaltskosten. 1993 kostete er in der Schweiz sensationelle 13100CHF. Sehr zuverlässig wahr er auch. Mit seinem 1.3l Motor aber nicht gerade üppig motorisiert. Mein Vater zog ihn damals aber bewusst einer Occasion vor. Erstens wahr es ein Neuwagen, Zweitens hatte der Motor eine Steuerkette. Wir waren eine 4köpfige Familie mit 2Kindern (7&11Jährig). Meine Schwester und ich werden den innenraum besonders gut in Errinnerung behalten. Nie werde ich die Fahrten ins Vallis in die Berge vergessen, er lag hinten vollgepackt in den Stossdämpfern. Nach sieben Jahren ist dann meine Schwester ausgezogen und mein Vater gönnte der Familie eine Oktavia 1.8l Limusine. Sollte ich DEN Forman jemals wieder finden, kaufe ich ihn zurück. Die Wahrscheinlichkeit das er noch lebt, dürfte aber sehr klein sein. Meine Mutter fährt seit 10Jahren einen Favorit. Diesen Wagen liebt sie über alles. Legendär, unsere Ferienreisen damit. Wir fuhren oft zu 3. mit dem Favorit in die Toscana, natürlich immer voll beladen. Die Zöllner und Polizisten haben uns immer mitleidig durchgewunken. Dieser Favorit wird garantiert nie mehr verkauft. Momentan befindet er sich in einer rollig restauration. Und: seltener als ein 300SL Flügeltürer, oder Porsche 356 ist er in der Schweiz allemal;-)
    Grüsse aus der Schweiz
    Domi

  2. Bei mir kam der Favorit auch schon vor, ich freu mich über jeden Survivor, den ich sehe. Meist jedoch mit osteuropäischem Kennzeichen, Österreichische Fahrzeuge dürften beinahe ausgestorben sein.

    http://wierus.wordpress.com/2011/04/20/vom-aussterben-bedroht-letzter-teil/

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