Böser Blick war beim Polo Youngtimer zuweilen Standard - diesem Modell steht er ausnehmend gut und das Tuning bleibt im Rahmen. Leider finden sich auch schlimme Umbauten, bei denen das Ausgangefahrzeug nicht mehr zu erkennen ist

Als wir den Post über den ersten Polo veröffentlichten, da waren die meisten Kommentare “Hey – wieso denn den? Der echte Youngtimer ist doch der Nachfolger.” Stimmt – gebaut von 1981 bis immerhin 1994 überbrückt der zweite Polo so ziemlich das komplette Youngtimer-Spektrum der derzeit möglichen Baujahre.

Bei seinem Erscheinen war man zunächst ein wenig verwirrt – kaum gab es die Konvention, dass Kleinwagen ein Schrägheck haben, kam einer mit einem… äh – Kombiheck oder so, Steilheck nannten die VW Mannen das nun. Später, als dann das nun “Coupé” genante Schrägheck wieder zurückkam, meckerten alle Tester über den knappen Innenraum…

Inenraum eines G40 - VW hatte die Neigung zu bizarren Lenkrädern, die heute skuril wirken

Aber egal – der zweite Polo wurde vom Fleck weg ein Erfolg; zurecht vermutlich, weil er in der tat mehr Platz auf gleichem Raum bot und sich darüber hinaus speziell im Innenraum irgendwie hochwertiger anfühlte, als seine ungeliebten Artgenossen. VW hatte erkannt, dass die wahre Zielgruppe der Kleinwagen nicht Fahranfänger und Studenten waren, sondern vielmehr Mütter – und die wussten ein gewisses Ambiente schon zu schätzen. Speziell die späteren facegelifteten Versionen und der FOX wirken innen ganz entschieden hochwertiger als ein vergleichbarer Corsa oder Fiesta aus der Zeit; hier setze der Polo 86c ein neues Maß in der Klasse, das später von seinem Nachfolger noch einmal bei weitem übertroffen wurde.

Dabei war er technisch gar keine wirkliche Weiterentwicklung gegenüber seinem Vorgänger. Die dösigen Antriebswellenmanschetten etwa gingen ebenso kaputt wie beim ersten Polo, die Bremsen hielten auch nie so lange, wie man es gerne gehabt hätte und der Polo 86c rostete an denselben Stellen wie sein Vater, wenn auch der Bereich unter der Scheibe nun graduell haltbarer war. Radlager und Stabibuchsen sind ebenfalls nicht auf alle Belastungen ausgelegt – Benzinpumpen und Schläuche haben auch nur Baumarktqualität – sind aber immerhin auch zu Baumarktpreisen zu ersetzen, auch von vollkommenen Laien.

Die einfache klare Form garantiert Zeitlosigkeit - solange der Rost nicht zuschlägt

Dennoch: Der Polo galt stets als zuverlässig und macht auch heute noch eine ganz anständige Figur – außer mit den ganz kleinen Motoren von lächerlichen 45PS, deren Getriebe zudem sehr hakelig sind – da wirkt er auch nicht so viel besser als ein Fiat Panda, vor allem akustisch. Mit den größeren Motorisierungen kann man den Polo durchaus als flink durchgehen lassen – nur auf Nässe sollte man es damit nicht übertreiben – der Polo ist auch hier nicht so viel besser als sein Vorgänger und ein kategorischer Untersteuerer – da kann man schon mal die eine oder andere Schrecksekunde haben.

Hier kennt der Rost sich aus....

Das gilt im übrigen auch für den damaligen Killer, den Polo G40 mit immerhin spektakulären 115PS auf die paar Gramm Fahrzeugmasse. Auf trockenem, Asphalt cool, auf Nässe eher ein Alptraum.

Leider ist der Polo wirklich ein typischer Ungeliebter. Youngtimer-Status hat er eher selten. Normalerweise endet er eher in den Händen von Fahrzeug-Minimalisten in Großstädten – wer schöne Polos sucht, muss eher aufs Land fahren – Berlin, Köln und Hamburg haben normalerweise die schlimmsten Polos.

Immerhin: die Polos sind häufig noch billig zu haben – mit Ausnahme der Tuning-Exemplare, von denen es beinahe so viel gibt wie beim Vorgänger, überwiegend natürlich Coupes und gerne solche, die vom G Lader Träumten, realistisch aber nur 45PS hatten.

selbst unter 1200€ findet sich eine stattliche Anzahl lohnenswerter Exemplare, bei denen die Einstiege noch nicht weggerostet sind. Die Motoren selbst gelten mit Ausnahme der Zylinderkopfdichtungen als routinierte Großserie und halten ewig, speziell der 1.3er.

Und beim Polo ist die Situation derzeit wirklich einmalig, denn die Auswahl ist wirklich groß – selbst über die frühen Baujahre hinweg. Also ausnahmsweise mal: ganz entspannt loslegen….

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Allwissenheit zum Thema Youngtimer

2 Antworten »

  1. [...] verabschiedeten sich die Wolfsburger. Buuh. Der Passat B3 war der hässlichste bislang – der Polo 86cwar stark facegeliftet und könnte einem heute im Kleinwagensegment durchaus vor die Flinte laufen. [...]

  2. [...] I Polo II Jetta I Jetta II Passat B2 Passat B3 Scirocco II Corrado Golf GTI [...]

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