
Der Kühlergrill hätte auch einem entbehrungsgewohnten Ostblock-Auto gestanden und wurde später daher auch deutlich evolutioniert
…was am Fiat Panda eigentlich unterm Strich am meisten beeindruckt, ist die Tatsache, dass er so verflucht lange gebaut worden ist: Satte 23 Jahre. Irgendetwas sagt mir jedoch, dass das an seinem Heimatland liegt. In der Kategorie der ungeliebten Kleinwagen nimmt der Panda sicherlich eine Sonderstellung ein: Auf vielen Märkten, darunter beispielsweise Deutschland, wurde er primär als Zweitwagen lanciert – wurde dann aber von seinen Besitzern vorwiegend als Erstauto genutzt. Vermutlich allein deshalb, weil der Typ “Ich kauf meiner Frau einen Zweitwagen” den Panda einfach unmöglich dulden konnte, da dieser sich bereits zu Beginn seiner Bauzeit mit seiner Zuverlässigkeit keine Freunde machte.

Die tun wirklich weh: Foltersitze im Youngtimer Fiat Panda. Für längere Strecken kategorisch ungeeignet und doch gerne dafür genutzt
Die schlimmsten Probleme – und daran hat sich im Youngtimer-Alter rein gar nichts geändert – sind Rost, Korrosion und die braune Pest. Der Panda, vor allem der ersten Generation, gehörte zu den Autos, denen man am Stammtisch nachsagte, sie rosten schon im Showroom – zurecht: Überall, wo ein Stück Blech endete, war es von vornherein in Gefahr. Und das in einer Art und Weise, die ihresgleichen sucht. Daneben strotzte das kleine Auto leider vor Defekten im Bereich Kupplung, Getriebe und allem voran der Zündung. So wurde die Zündanlage zwar mehrfach renoviert, blieb aber bis zuletzt ein schlimmes Manko für die Zuverlässigkeit des kleinen Italieners. Eine Englische Autozeitung schrieb Mitte der Achtziger, dass man auf einer Zuverlässigkeitsskala mit grün, orange und rot für den Panda die Farbe Lila einführen müsse – und auch der ADAC und die Versicherungen, die Gebrauchtwagen-Garantien abdeckten, ließen vom Panda lieber die Finger.
Und dennoch: Der Panda erreichte einen Kultstatus wie kaum ein Kleinwagen – zwar nicht wie ein Ur-Mini, aber dennoch hat der Wagen heute eine feste Fan-Gemeinde.
Woran liegt das?
Einmal ist das sicherlich ein Spiegel seiner Zeit: Mit dem Panda konnten lila gebatikte Spät-Ökos lässig vor dem Eine-Welt Shop parken und Nonkonformismus, Konsumablehnung und ähnliche wichtige Geisteshaltungen pantomimisch darstellen. Dabei war der Panda – speziell der der ersten Baureihe bis 1986 – nicht einmal besonders sparsam. In erster Linie war er laut. Dafür konnte man ihn mit lustigen Faltdächern kaufen und die Rückbank erlaubte gefühlte 100 Verstellmöglichkeiten – beispielsweise V-förmig für den Nachwuchs, was dem Wagen irgendwie den Nimbus lässiger Nutzbarkeit verlieh. Vor allem in Szene-Städten wir Berlin. Billig war er dazu und jeder Depp konnte ihn weitgehend mit Baumarkt-Mittel wieder richten, wenn was nicht klappte. Das hatte schon was.
Neben einem Panda Youngtimer ist ein Fiesta von 1980 schlimmstes Establishment. Jedoch gilt bis heute: Man erkauft sich die Coolness zu einem hohen Preis. Die Sitze des Panda lassen sich zwar lustiger Verstellen als die im Nachtzug nach Triest – sie sind aber auch nicht wesentlich bequemer als eine Ruhepause auf einem kalten Stein im November. Einerseits sind sie schmal, andererseits geben sie keinen Halt und fördern den Rundrücken, vor dem uns der Orthopäde immer warnt. Jeder, der im Panda einen legendären Studentenurlaub nach Südfrankreich [obligatorische Dauerbeschallung mit den DOORS inbegriffen] durchlebt hat, erinnert sich bis heute. Dann noch das dröhnige Triebwerk… das muss man mögen.
Aber Fiat verstand es, seinen Klassiker warm zu halten. Die 4×4 Version etwa war praktisch schon kurz nach Erscheinen Kult und in abgelegenen Bergdörfern im Tessin gerne gesehen, weshalb die Italienische Post mehrere 1000 Stück des kleinen Flitzers orderte. Und fürwahr: die Traktion ist legendär. Der normale Panda ist einer der schlimmen Utersteuerer und neigt auf Nässe sogar mal zum Heckschwenk.
Ja, man musste ihn mögen, den Panda – und den Panda Youngtimer noch viel mehr. Aber vielleicht kann man das einfach besser, wenn man ihn als ersten Wagen hatte und 39PS sich gar nicht so übel anfühlen, verglichen mit einem BMX-Rad oder der Tram. Dann das Faltdach für einen Hauch von Freiheit, eine leicht zerquetschte Camel-Packung, Erinnerungen an die 17jährige Beifahrerein in diesen Stone Washed Röhrenjeans… Tja… Vielleicht kann man dafür schon mal schwach werden und Reparaturanfälligkeit vergessen….
Und eins muss deshalb klar sein: Der Clone-Bruder Seat Marbella geht deshalb gar nicht.
Der Fiat Panda sollte einen von A nach B bringen – und das tat er und tut er als Youngtimer auch – und das manchmal schon für 500€.
Vielleicht doch eine ganz clever Kiste.



[...] 45PS, deren Getriebe zudem sehr hakelig sind – da wirkt er auch nicht so viel besser als ein Fiat Panda, vor allem akustisch. Mit den größeren Motorisierungen kann man den Polo durchaus als flink [...]