Thomas Magnum in seinem Ferrari war schon ein cooler Typ – aber neben Doyle und Bowdie vom CI5 war er ein echtes Weichei – Vietnam hin oder her!

Und Doyle und Bowdie fuhren Ford, wenn auch nicht ganz freiwillig – ursprünglich sollte hier British Leyland die Fahrzeuge stellen – die sprangen ab, Ford sprang ein und [hier war die Geschichte gnädig] erzielten einen riesigen Image-Gewinn. Am Ende fahren beide harten Ermittler Capris – und FAHREN spielt hier wirklich eine Rolle, denn was hier aus den Capris heraausgeprügelt wurde, war Referenzklasse. Vielleicht wurde der Capri daher im Heimatland der Profis länger gebaut – bis 1986 – während in Deutschland Weihnachten 1984, nach gerade 15 Jahren Bauzeit der insgesamt 3 Serien, Schluss war.

Warum? Der Capri passte einerseits nicht mehr ins leicht angegrünte Image, das Ford sich mit den Strömungsgünstigen Sierra und Scorpio andichten wollte. Das sollte mehr nach “Zukunft” schmecken, “futuristisch” sein – während der Capri eben eher für die rüden Ermittlungsmethoden von Bowdie und Doyle stand – Lederjacken und Jeans, wenn man so will. Ein weiterer wichtiger Grund kam hinzu: Effizienzsteigerung und Synergien – wichtige Wörter im Manager-Deutsch der 80er. Der Capri hatte schlicht zu viele Individuelle Teile. Obwohl man sich bemühte, sich bei Ford Taunus und Granada zu bedienen, gab es nur ungewöhnlich wenige Gleichteile – hier waren Scirocco und Manta B deutlich näher mit ihren jeweiligen Limousinen verwand. Dann war der Capri einfach zu groß geworden – bediente sich der Scirocco beim Escort äquivalent Golf satte 2 Klassen darunter und somit deutlich günstiger, trat der Capri bisweilen mit dicken 6 Zylindermotoren an. Die waren teurer und soffen mehr Sprit – während am anderen Ende die Grünen in die Parlamente einrückten, Ölkrisen überstanden werden mussten und Leute plötzlich lieber praktische Kombis nachfragen als vermeintlich “coole” Sportler von der Stange.

Unter der langen Motorhaube war immer noch mächtig Platz für lustige Anbauten

So behalf sich Ford mit angesportelten Escorts und experimentierte tatsächlich mit einem Coupe auf Basis des grauenhafte erfolglosen Ford Orion – ebenso wie mit Technologieträgern auf Basis des Sierra XR4i – viel später mündeten diese Bemühungen im erfolglosen  Ford Puma sowie im verzweifelten Import des noch erfolgloseren Ford Probe.

In Summe: Nach dem Capri hat Ford einfach nix mehr auf die Beine gestellt im Bereich Sportler von der Stange.

Wer einen Capri-Youngtimer sein Eigen nennen möchte, hat dazu heute noch deutlich bessere Chancen, als etwa beim zeitgenössischen Manta - obwohl der Opel noch ein paar Jahre länger gebaut wurde, gibt es vom Capri immer noch eine Menge verfügbarere erschwinglicher Exemplare in erfreulichen Alltagszuständen unter 2.000€ – aber die werden natürlich langsam rar, wo die jüngsten Modelle 27 Jahre alt sind. Dennoch: Die Lage ist gut.

Muckibude der späten 70er und frühen 80er Jahre: Die Lenkung im Capri III erfordert Kraft

Die verbastelten Exemplare sind längst tot. Neben den Alltagsexempleren gibt es wunderschön erhaltene Exemplare mit ein bisserl zeitgenössischer Kriegsbemalung um 4-6000, gefolgt von Spitzenexemplaren, die hier jedoch seltener sind als bei manch anderem Wagen der Epoche – dennoch: Die Wilden kommen immer wieder, soviel ist klar – ebenso, wie die Tatsache, dass es sich lohnen wird, einen Capri aufzumöbeln und zu erhalten. Capri I sind im Preis längst eskaliert – Capri II wirken etwas nichtsig und die meisten Leute gehen schon allein des entschieden besseren Fahrwerks wegen lieber gleich auf die Suche nach der letzten Serie, dem Capri III Youngtimer.

Absoluter Hingucker: Ford Capri Youngtimer in zeotgenössischer Farbe

Zurecht – der ist alles in allem entschieden qualitativer zusammengeschraubt und neigt ebenso zu deutlich weniger Rost. Ein klares Bild gibt es hier kaum: Ein Capri III mag hier und da rosten, aber kritisch ist das selten – und da die Technik aus schönen großen Teilen besteht, die man einfach erstezen kann, herausschrauben und ähnliches, sieht die Sache selten trostlos aus.

Ein Capri ist heute schon ein echter Hingucker, wenn er einfach nur irgendwop entlang fährt – da braucht es kein sinnloses Tuning, die Motorhaube, die nur noch vom Jaguar E-Type getoppt wird, reicht da vollkommen… Ätzend ist die eigentlich nur dann, wenn man sich an eine Kreuzung herantasten muss – da macht die Schnauze einen echten Unterschied, denn man sitzt noch weit in der Seitenstrasse, wenn einem die Tram auf der Hauptstrasse schon die Scheinwerfer abrasiert…

Über YoungtimerBlog

Allwissenheit zum Thema Youngtimer

16 Antworten »

  1. [...] manch einem lieb war – aber eines war klar: die fette Spur und die beinahe geduckte Form des Capri sorgten wirklich für eine herausragende Strassenlage, wie in einzelnen Folgen der Profis noch [...]

  2. [...] viele viele Nachahmer fand in den folgenden Jahren und schließlich den großen Wilden vom Schlag Ford Capri, Opel Manta und ähnlichen, zunehmend den Rang ablief. Im Zuge des Wettrüstens ging es nämlich [...]

  3. Alex sagt:

    Ich habe erst kürzlich ein paar sehr schöne Bilder von einem Ford Capri in orange von 1973 in mein Blog gestellt. lg Alex @ http:\\www.be-cause-blog.com

  4. [...] Youngtimer waren von Tag eins in Liebhaberhand – stellten eine Art Fusion von Sierra und Capri dar – im besten Sinne des Wortes. Hier gab es viel Auto fürs Geld, 2,8 Liter 6 Zylinder, viel [...]

  5. jo genau, bei madmax war es ein ford falcon

  6. [...] wussten es schon in den 70ern: Was Toyota hier als Manta/Scirocco/Capri-Konkurrent auf die Räder stellte, war eine ziemlich lässige Angelegenheit – Der Toyota [...]

  7. [...] manch einem lieb war – aber eines war klar: die fette Spur und die beinahe geduckte Form des Capri sorgten wirklich für eine herausragende Strassenlage, wie in einzelnen Folgen der Profis noch [...]

  8. [...] Glanz erscheinen… Das hatten wir jetzt in den letzten Wochen plötzlich ganz oft: Der Capri, der Manta, der [...]

  9. [...] Golf GTI, GTI 16V, etc….? Die Zielgruppe starb – und mit ihr ihre Helden. Der Capri war bereits Mitte der 80er von uns gegangen, der Calibrastarb 1997 und der Corrado mittendrin: 1995 [...]

  10. War das nicht ein Aussie-Ford Falcon oder so?

  11. Ist Mad Max im ersten der drei Filme nicht auch eine australische Version des Capri gefahren?

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