schlichte Linie - aber so langweilig wie ein Vectra

Wer A sagt, muss auch B sagen? Nein… Nicht so beim Calibra A – niemand sagt Calibra A, weil es schließlich keinen B gab. Warum auch? mag man sich fragen… Das einzig langweiligere Auto, das Opel in diesen Tagen [ab 1990] gebaut hat, war vermutlich der Vectra A, die Basis des Calibra.

Beide hatten zu wenig spezifischen Charaktereigenschaften – auf Youngtimer-portal.de gewinnt der Vectra A traditionell die alljährliche Wahl zum “Langweiligsten Youngtimer” – der Preis, den keiner will… Und dem Calibra ginge es eigentlich auch nie wirklich besser, wenn er denn antreten würde – aber beim Nominieren ist er stets so unbedeutend… Er wird schlicht und einfach vergessen, obwohl er ja immerhin mehr Optik hatte als der erste Vectra.

Tja – aber irgendwie behandelt ihn die Geschichte da offensichtlich mit dem angemessenen Respekt, denn was Opel hier angestellt hat, als sie den Manta B – Nachfolger auf Kiel gelegt haben, zeugt von erstaunlicher Lustlosigkeit und kündigte den Untergang des Sportler-von-der-Stange-Genres in aller Deutlichkeit an – ebenso wie auch beim Corrado und ähnlichen Vertretern – für richtig coole Lösungen fehlte es den Massenherstellern an Geld in dieser Zeit.

Auch für den Calibra fanden sich genügend Verrückte und Tuner zusammen und spielten verzweifelt Ferrari

Die eigentliche Kernfrage ist aus heutiger Sicht beinahe: Warum hat Opel überhaupt noch einen Nachfolger gebaut, in einen Markt hinein, der bereits stark schrumpfte und immer stärker in Richtung hochmotorisierter Kompakter wanderte?

Der Calibra hatte denen gegenüber diverse handfeste Nachteile: Er war teurer als ein Kadett GSI, gut 150 Kilo schwerer als ein Kadett GSI, bot hinten weniger Platz und war vor allem durch sein Gewicht entschieden weniger dynamisch als der Kadett GSI…. Warum also kaufte man den eigentlich? Offensichtlich wussten das nicht einmal die Opel-Manager so richtig.

Wegen des coolen Designs in jedem Falle nicht nach dem Manta als Vorgänger.

Opel gab sich mit allerlei Give-Aways und Accessoires Mühe, den Calibra zur Design-Ikone zu stilisieren – scheiterte hierbei aber vollständig, weil man sich mit dem Calibra im Premium-Segment sah. Alles in allem brachte Opel nicht einmal 250.000 Fahrzeuge an den Mann in den 7 Jahren Bauzeit, bevor man die Idee des Sportlers von der Stange dann final verwarf. Top Calibras verschlangen zu dieser Zeit bereits weit über 40.000 Mark und die Zielgruppe schien immer mehr zu flexibleren Fahrezuggattungen abzuwandern, in denen man auch mal 2 Mountainbikes unterbringen konnte – daran konnten auch Allrad- und Turbo-Experimente nur wenig ändern.

Leider kein Einzelfall - die Rostvorsorge beim Calibra war nicht begnadet - glücklicherweise sind sehr viele Calibras Scheckheftgepflegt

Ähnlich wie Ford experimentierte auch Opel parallel mit sportlichen Astra-Interpretationen herum, die leider alle ähnlich blutleer waren wie der Calibra und nie mehr auf Stückzahlen kamen – bei Volkswagen starb zu der Zeit zunächst der Scirocco II, dann auch der Corrado, von dem Volkswagen nicht einmal 100.000 Exemplare unters  Volk zu streuen Vermochte.

Wie ist die Marktlage?

Kerngesund – Der Markt hält jede Menge Calibras bereits. Der Opel Calibra hat die Youngtimer-Talsohle noch nicht erreicht, die späten Modelle stehen noch mitten im Leben und sind günstig. Auffällig: Die Laufleistungen der derzeit angebotenen Calibras sind häufig überdurchschnittlich.

Im Gegensatz zum Urahn des Calibras – dem noch heckgetriebenen Opel Manta Youngtimer – sind die Pflegezustände jedoch gut und auch die Spoilerei wurde hier nicht exzessiv betrieben [mit extreme Ausnahmen natürlich....]. Die Besitzer der Calibras von heute scheinen eher artige Spiesser geworden zu sein, die gerne auch mal weitere Strecken zurücklegen.

Die Grundlage für Schweissausbrüche liefern im Calibra Youngtimer nicht Fahrwerk, Motor und Bremsen, sondern die Sitzbezüge und die flachen Scheiben - keine Klimaanlage, keinen Spaß

Wichtig jedoch: Der auf bemerkenswerte 0.26 reduzierte Luftwiderstandsbeiwert wird durch sehr schräg stehende Scheiben erkauft – die wiederum führen zu einer schlimmen Aufheizung des Innenraums, zumal dann, wenn hier die gruseligen Velourssitze in dunkeldunkelgrau verbaut worden sind [wie leider bei den meisten Calibras]. Klima-Anlage ist daher ein Muss, wurde aber damals gerade einmal von knapp 30% der Käufer geordert – das schränkt die Auswahl attraktiver Calibras heute entsprechen ein – denn ohne Klima ist der Calibra wirklich ein Ofen.

Gute Calibras kosten ab 1500, besser 2500 – und das schließt die Klima schon mit ein und eher 150.000 auf der Uhr. Leider neigen Calibras zu Rost – Türunterkanten, Schweller, rund um die hintere Achse, gerne auch im Motorraum, 40 CM unterm dem Ende der Frontscheibe. Alles in allem hat Opel hier für ein Auto dieser Zeit nicht direkt geschlampt – aber von redlicher Mühe kann hier wohl auch nicht gesprochen werden.

Bleibt die Frage: Lohnt sich die Anschaffung?

Hm… Von einer rasanten Wertsteigerung deutet sich nichts an. Auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Calibra spät als cooles Auto eingestuft werden könnte, ist eher gering, auch wenn er eine feste Fan-Community hat. Fahrspass? Der Calibra fährt sich so spannend wie ein Vectra A – und der war wirklich nicht für übertriebene Fahrfreudenexzesse bekannt…

Im Grunde war der Calibra allenfalls der Abgesang einer Ära für Opel – jeder GSI-Kadett oder Astra hat mehr zeitgenössischen Charme – ein Manta sowieso. Selbst die sehr seltenen Allrad-und Turbo Modelle reissen es nicht raus. Wer einen Calibra heute cool findet, ist im Regefall in einer religiösen Opel-Famile aufgewachsen sein, denn viele gute Gründe gibt es nicht – der Markt kennt in diesem Segment viele interessantere, besser Autos, die häufig auch noch mehr Fahrspass machen – selbst der noch schlechter verkaufte Corrado hatte mehr Höhen anzubieten und zeigt preislich bereits Aufwind…

Der Calibra wird leider mal wieder schneller verschwinden, weil ihm nicht ausreichend viele Leute nachtrauern. Und wenn sie damit anfangen, ist es mal wieder zu spät… Also: Wer den Calibra retten will, der sollte nicht mehr nur am Stammtisch davon plaudern – sondern handeln.

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11 Antworten »

  1. Der Threadersteller hat wohl kaum recherchiert.
    So ist das Design eines jeden Autos wohl persönliche Geschmackssache.

    Das ändert jedoch nichts daran, dass der Calibra nach seiner Vorstellung massenhaft Designpreise abgeholt hat.

    Auch im Rennsport war er äusserst erfolgreich; so holte sich 1996 Opel die Markenmeisterschaft bei der DTM und Manuel Reuter wurde auf seinem “Cliff” Calibra Weltmeister.

    CW-Wert wurde ja schon genannt und der – auch heute noch im Rennsport eingesetzte – C20LET sucht seinesgleichen.

    Gerade die Sondermodelle wie “Cliff” und “Last Edition” sind heute gesucht und gute Exemplare sind schon seit gut 3 Jahren Wertstabil oder steigen.

    Es ist wohl eher so, dass der Calibra im Gegensatz zu dem restlichen Jungtimer-Genudel eine Ikone mit – damals wegweisender – Technik darstellt.

    Noch heute sieht man – der Formsprache sei Dank – dem Calibra das Alter nicht an (es sei denn, er würde einem unter dem A.. wegrosten. Danke Lopez! Aber das ist eine andere Geschichte…)

  2. Ein ziemlich fadenscheiniger Artikel, wird hier ja nichtmal der Calibra Turbo erwähnt, mit dem man noch heute aktuelle gleichstarke Kompakte in ihre Schranken weisen kann und der in Kennerkreisen enorme Beachtung bekommt, selbst aus dem VW- oder Audi-Lager. Der C20LET ist einer der besten Turbomotoren, die je gebaut wurden. Dazu 6Gänge und Allrad. 300 standfeste PS und 280km/h Spitze kann man mit knappen 1000€ rausholen und so einem M3 auf grader Strecke ebenbürtig sein. Selbst als C20NE mit 115PS rennt er schon seine 230…da stinkt jeder in etwa gleichstarke Golf ab.

    Ich würde eher sagen, der Calibra is eines der wenigen guten Autos, die Opel je gebaut hat…wenn man mal vom Rost und so manchem Verarbeitungsschnitzer absieht. Fahrt mal mit nem Corrado und nem Calibra an die Tankstelle…mal sehen, welchem Auto mehr Beachtung geschenkt wird.

    Ein bisschen mehr Objektivität wäre hier angebracht.

  3. Zig Gy sagt:

    Design, Formensprache, Linienführung. Der Calibra als Gesamtpaket war vom Design seiner Zeit weit voraus, vorallem im direkten Vergleich zu Corrado und anderen Coupé’s , die es nichtmal annährend auf die Stückzahl des Calibra brachten.

    Und vom Calibra Turbo/V6 hat der Ersteller dieses Textes wohl auch noch nie was gehört.

  4. [...] dass auch er sich dem H nähert. Ebenso im Aufwind: Der Opel Senator und tatsächlich die älteren Calibra-Modelle. Nur der Vectra – den scheint einfach keiner so recht kuschelig zu finden – [...]

  5. [...] diesmal kündigt sich eine Sensation an: Nicht nur, dass der Calibra auf höchst prominenter Position vertreten sein wird – nein, diesmal werde einer, vermutlich [...]

  6. [...] der Stil der Zeit – ein Stil, der hier nur wenig Anklang findet, denn auch Vectra A und Opel Calibra dürfen hier mit fehlendem Design-Aroma [...]

  7. [...] Der Scirocco-Beitrag ging komplett durch die Decke und wird bald in der Top10 sein, über den Calibra haben sich einige Leute handfest aufgeregt… – Würde sich je jemand über einen [...]

  8. youngtimerz sagt:

    Die Lampen vorne sind immer noch irgendwie angenehm futuristisch – der Rest ist Vectra – und das war nun wirklich kein Qualitätssiegel

  9. [...] nicht einmal in die Nähe eines Erfolges – und selbst Erzrivale Opel setze entschieden mehr Calibras [...]

  10. youngtimerer sagt:

    Ich hab ja häufig meine gnädigen Momente… Dann kann ich sogar einem älteren Golf II was abgewinnen und frage mich, warum ich den Kadett D eigentlich doof fand…

    Aber Vectra und Calibra… No way. Der Ascona C war cool – aber da haben sie irgendwie das Coupe vergessen

  11. youngtimerfan sagt:

    Wahre Worte… Gab es hier keine erbosten Opel-Fans?

    Der Calibra war eine so traurige Lösung! Opel investiert in die lässigen Elipsen-Scheinwerfer – - und das ist die gesamte Innovation! Buhhhhh – Der Manta hatte einen würdigeren Nachfolger verdient

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