Zeitlos elegante Linie...

Mit einem E30 bis nach Griechenland zu fahren, ist heutzutage per se schon ein recht mutiges Unterfangen – zumindest, wenn wir unsere Freunde fragen, die auf die nackten Zahlen blicken und sagen: Seid ihr irre? Die Kiste ist 20 Jahre alt und hat 260.000KM drauf!
Ja, das stimmt wohl. Und der Wagen hatte es nicht einmal so leicht. Wir haben ihn 2006 erworben, als er bereits 17 war. Und da sah er gar nicht einmal so gut aus… Er stand an einer Tankstelle und sollte 2950€ kosten. Wir hatten beide mehrere Autos und hätten beide gerne diesen coolen Wagen gehabt. Schließlich trafen wir eine federführende Entscheidung: Wir beschlossen, uns den Wagen zu teilen – und zwar unter der Bedingung, dass wir ihn für 2.000€ bekämen.
Leidige 3 Stunden (!) Verhandlungen an einer Aral-Tanke in Herne später einigten wir uns zu viert auf 2150 – kurioser Weise nämlich gehörte der Wagen ebenfalls zwei Typen, die ihn sich teilten. Das werteten wir als Zeichen, leerten einen Geldautomaten und fuhren in 2 Autos heim.

Zuhause angekommen stellte sich bei Licht betrachtet heraus, dass in den Wagen doch mehr Geld versenkt werden musste, als ursprünglich angenommen – Der Endtopf hielt bis Limburg, Das Verdeck deutete schon auf der Tankstelle an, dass es ersetzt werden müsse.
But luckyly: That’s it. Wir ersetzten später noch ein paar Bremsscheiben und Klötze und bauten ein gebrauchtes ABS ein, das hinten auch Scheibenbremsen erforderte. Und ja: Ich gestehe – wir zogen irgendwann noch ein paar schicke Felgen drauf – aber nur, weil die auch auf meinen 89er 332i Touring (<= Kein Tippfehler) passten, der eine eigene Geschichte Wert ist.
Insgesamt erlebte der E30 mit uns satte 83.000 Kilometer – vollkommen klaglos, was uns nur einmal mehr in der Wahrnehmung bestätigte, dass die Qualität der BMWs aus den späten 80ern wirklich legendär ist. Der Tüv mäkelte einmal über die Vorderachse, richtig, aber das ist dann wohl auch der klassische Schwachpunkt.
Ansonsten ist der BMW E30 mit seinem 320er Motor, i natürlich, eines der zeitlosesten Cabrios, dass es auch mit dem SL und ähnlichen Legenden locker aufnimmt – vor allem, seit er nicht mehr fest in der Hand von Gangs ist, die Armdicke Aufpuffrohre drunter bauen.
Der kleine Sechszylinder ist eine Art Dauerfreude, schon der Klang Legende – und dem 318i diesbezüglich einfach überlegen – wobei der Vierzylinder ansonsten wirklich einen viel besseren Job macht, als BMW Fans landauf landab zugeben würden. Die 113PS Maschine ist ungewöhnlich zäh und verträgt auch schlimme Vorbesitzer besser als der 6Zylinder, der bekanntermaßen zu Problemen im Zylinderkopfbereich neigt, wenn er nicht richtig behandelt wird.
Die Straßenlage muss sich ebenfalls nicht schämen und die Übersetzung mit ihrem präzise anschließenden Kraftfluss in allen Lebenslagen, unterstützt das.
Als es nun uns beiden durch den Kopf ging, uns nach 5 Jahren etwas anderes zu gönnen, waren wir wohl beide erleichtert, dass es dem anderen auch so ging. Denn irgendwie ist er uns ans Herz gewachsen und im Grunde scheint es mir falsch, sich von ihm zu trennen, ihn zu verstoßen. Immerhin haben wir mit ihm satte 11 Länder gesehen – und im März 2010 hätten wir ihn in der Nähe des Flughafens Warschau beinahe an einen Langfinder verloren, der allerdings ungünstig zugeparkt wurde, bevor er abzischen konnte.
Der Käufer, der den Wagen übernimmt, ist ein Grieche, lebt in der Nähe von Athen, nachdem er Anfang der 90er für 5 Jahre in der Nähe von München gearbeitet hat. Er hat diesen Wagen in der Zeit immer geliebt, konnte ihn sich aber nie leisten. Und vielleicht hätten wir den Wagen gar nicht verkauft, wenn es nicht er gewesen wäre, für den wir so viel Verständnis gehabt hätten, weil er uns so ähnlich war. Also entschieden wir, die tagelange Reise in Kauf zu nehmen und uns zu verabschieden.
Am Flughafen sitzend, denke ich, dass es eine tolle Reise war, auch wenn leider das hintere Radlager am Ende etwas verschlissen klang. Und irgendwie denke ich auch, dass es ein Fehler war, fühle mich, als hätte ich Schluß gemacht – Ein Glück, dass Männer in solcher Lage nicht heulen, nicht wahr?
Eigentlich wollten wir uns einen W123 und einen E38 kaufen – dem E30 hinterher blickend, erscheint mir das plötzlich falsch, gab es den W123 doch gar nicht als Cabrio und konnte der BMW 718i nie seine Zähigkeit unter Beweis stellen…
Snief….

7 Antworten »

  1. [...] essentiellen Youngtimer. Sowohl die Posts zu E30 Youngtimer als auch zum Verlust unseres geliebten E30 Cabrios ziehen täglich diverse Leute an. unheilige Allianz: Nana und Rama, Stabreim [...]

  2. [...] da läuft einem das Wasser auch heute noch im Munde zusammen. Dann das phantastische Cabrio mit seiner geraden Linie – hierfür werden mittlerweile schon wieder 5.000€ fällig. Die [...]

  3. [...] jetzt besitze ich einen neuen Youngtimer, schneller, als mir eigentlich lieb war. Jetzt ist der E30 weg, der Scorpio muss als nächstes dran [...]

  4. Leb wohl, E30, aber wenn wir ehrlich sind, dann wird der E30, besonders als Cabrio, garantiert niemals wirklich selten werden! Es gibt Clubs, viele Liebhaber, die Kiste wirds immer geben. Anders bei den vielen Japanern, die tagtäglich nach Afrika exportiert werden. Die werden sicherlich aussterben, denn wer kümmert sich um einen Corolla E9 Liftback, wer hebt einen Mazda 929 auf oder restauriert einen Mitsubishi Sigma? Kein Mensch!

  5. jeder youngtimer sollte ein seinem späten leben min. noch einmal das mittelmeer oder die atlantikküste gesehen haben. meine letzte fahrt mit dem w123 (coupe – mit allen fenstern runter, fast wie cabrio fahren :-) ging nach biarritz. spanien bzw san sebastian haben wir nur aus zeitlichen gründen nicht geschafft. ein tolle fahrt die wagen problemlos weggesteckt hat.

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